Exilschwabe
Schottland
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Planung und Wirklichkeit

Ab ins Schottenland
Eigentlich sollte es dieses Jahr nach Südfrankreich gehen, ein Urlaub in der Sonne mit viel Käse, Baguette und Rotwein. Aber dann war da dieses unschlagbar günstige Angebot bei einer bekannten irischen Billigfluglinie. Zwei Personen hin und zurück inklusive Gepäck und Gebühren für schlappe 60 Euronen. So wurde es eben Schottland.

Tag 1 - Leben auf der falschen Seite

Blümchenmuster

Beim Frühstück im Hotel am Flughafen (nach der Spätankunft am Vorabend) lag das Messer noch auf der richtigen Seite, also alles ganz entspannt. Dann gings zur Autovermietung und da war es wieder, das Grinsen beim Anblick des gemieteten Rechtslenkers. Und von da ab spielte sich das Leben wieder mal auf der falschen Seite ab. Die Straßen in Schottland sind allerdings im Vergleich zu Irland wesentlich besser ausgebaut und beschildert, so dass wir ohne größere Umwege auskamen und auf der Fahr nach Fort William sogar schon die ersten Geocaches loggen konnten.

Als wir dann beim vorab übers Internet bestellten B&B ankamen, erwartete uns ein Fragezeichen. Offensichtlich hatte die Dame des Hauses unsere Bestätigungsemail übersehen und jetzt kein Zimmer für uns frei, und das in der Hauptsaison. Die Touristeninfo im Ort organisierte uns schnell ein alternatives Quartier, das sich sogar als die bessere Alternative herausstellte, mit großem Bad und kostenlosem WiFi. Selbst die obligatorische Blümchentapete passte dort rein.

Abends haben wir dann noch ein paar Caches geloggt, zum Üben sozusagen.


Tag 2 - Auf der Suche nach dem Monster

Auf der Suche nach dem Monster
Am 2.Tag ging es Richtung Loch Ness zum monstersuchenden Touristenpflichtprogramm. Und weil wir sowieso auf der falschen Seite fahren mussten, gingen wir die Runde auch gleich komplett falsch herum an, d.h. entgegen der Fahrtrichtung der Touristenbusse und auf der rechten Seite des Sees, wo die Linksdrall-Briten so gut wie gar nicht hinkommen. Einsame Single Track Sträßchen mit genialen Aussichtspunkten bei bestem Wetter und jede Menge Caches gab's dort. Nur das Monster wollte sich nicht zeigen, auch nicht am einsamen Strand, den wir dank Geocaching fürs abendliche Wildnis-Picknick gefunden hatten.

Tag 3 - Sonnenbrand im Schottenland

Grinsen bis der Sonnenbrand kommt
Nachdem wir seit der Ankunft noch keinen Tropfen Regen abgekommen hatten, konnten wir es kaum glauben, als auch an diesem Morgen die Sonne am tiefblauen Himmel hing. Heute ging es Richtung Nationalpark Cairngorms, wo wir uns den Wild Cat Trail vorgenommen hatten. Der hervorragend ausgeschilderte Trail fing im Tal etwas langweilig an und wurde mit steigender Höhe wesentlich interessanter. Bei strahlendem Sonnenschein ging es immer wieder über ein mäanderndes Flüßchen, entlang verschiedener Wasserfälle ins Nistgebiet von irgendwelchen Seevögeln, über Kuh- und Schafsweiden. Am Ende wartete ein heftiger Sonnenbrand, weil wir ja wegen der Regenklamotten keinen Platz mehr für Sonnenschutzmittel im Koffer gehabt hatten.

Tag 4 - Endlich Regen

Wir hatten es in 3 Irland-Urlauben nicht geschafft, den vielbesungenen brittanischen Regen zu erleben und waren jetzt sogar fast froh, dass sich der Sonnenbrand unter der Regenjacke etwas beruhigen konnte. Wir fuhren Richtung Süden nach Oban und besichtigten dort die Whisky-Destille. Wir lernten, wie der Alkohol in die Flasche kommt und dass auch die beim Maischen entstehenden Abfallprodukte noch zu Viehfutterpellets verarbeitet werden. Aha, muss einem dummen Menschen ja gesagt sein.

Anschließend klarte das Wetter auf und es ging auf einer Nebenstrecke zurück Richtung Fort William. Der Single Track führte kurvenreich (Yee-haaah!) an einem Flüßchen entlang, bis wir an einem offensichtlich tot auf der Wiese liegenden Schaf vorbeikamen. Da Mund-zu-Mund-Beatmung zur Wiederbelebung hier nicht in Frage kam, entschlossen wir uns kurzfristig, es mit Hupen zu versuchen. Es wirkte sofort und das Schaf blickte ziemlich zerzaust in die Gegend. Ob es wohl etwas zuviel von den Whisky-Pellets genascht hatte? Wir werden es nie erfahren, denn schon erwartete uns die nächste Überraschung: mitten auf der Straße hatte es sich eine Gruppe Highland Cattle gemütlich gemacht und zeigte nicht sonderlich viel Motivation den Weg frei zu machen. Erst als wir dem Leitbullen erklärten, dass er sich mal einen anderen Frisör suchen sollte, machte er sich mit seiner kleinen Herde beleidigt davon. Unser Kommentar war wohl nicht so doll für sein Selbstbewußtsein.


Tag 5 - Zurück nach Edinburgh

Der letzte Tag begann wieder sonnig und wir machten uns auf den Rückweg zum Flughafen nach Edinburgh. Unterwegs lagen noch ein paar Geocaches und ein Castle. Die Schlosswächter ließen sich nichts anmerken, als wir mit verdreckten Hosen (der letzte Cache lag auf einer Schafsweide...) und dezentem Schafsgeruch durch den Protzbau stiefelten, vorbei an Meißner Porzellan und ausgestopften Bären, über Teppiche, die auch die Queen schon betreten hatte. Ob die Königin wohl auch Schafsscheiße an den Schuhen hatte?